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Weizenkeimlingsbrot

Weizenkeimbrot

In jedem Getreidekorn steckt ein kleiner Schatz: der Keim. Er ist das Herz des Korns und der Ursprung allen Wachstums. In der industriellen Mehlverarbeitung wird er jedoch meist als Erstes entfernt. In meinem heutigen Brot hingegen steht dieser wertvolle Bestandteil im Mittelpunkt – allerdings nicht in Form von Keimlingen, sondern als getrocknete Weizenkeime, wie sie in der Mühle als Vollkornprodukt gewonnen werden.

Der Weizenkeim ist der embryonale Teil des Korns, aus dem bei ausreichender Feuchtigkeit und Wärme eine neue Pflanze entsteht. Er macht zwar nur etwa zwei bis drei Prozent des gesamten Korns aus, enthält aber einen Großteil der wertvollen Inhaltsstoffe wie ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E, B-Vitamine, Enzyme sowie hochwertige pflanzliche Proteine. Aufgrund dieser geballten Nährstoffdichte sind Weizenkeime eine ideale Zutat: Sie verleihen der Krume einen milden, nussigen Geschmack, verbessern die Frischhaltung und sorgen für eine angenehm weiche Textur. In meinem Rezept setze ich die Weizenkeime in einem Brühstück ein, damit sie gut quellen und ihre volle Wirkung entfalten können. In Kombination mit dem Sauerteig entsteht ein aromatisches Brot.

Wichtig ist die begriffliche Trennung: Weizenkeime sind getrocknete Keimanteile, die bei der Müllerei aus dem Korn gewonnen werden – sie sind ein sogenanntes Mahlerzeugnis. Keimlinge hingegen entstehen, wenn ganze Körner zum Keimen gebracht werden. Es handelt sich also um angekeimte, lebende Pflanzensprossen, wie man sie aus der Rohkostküche kennt. In meinem Brot verwende ich keine frischen Keimlinge, sondern ausschließlich Weizenkeime als trockene, backfähige Zutat. Die Verwendung des Begriffs „Keimling” wäre hier fachlich irreführend, auch wenn er häufig synonym verwendet wird.

Bildergalerie

Damit dir meine Rezepte gelingen, lohnt es sich, zu wissen, wie ich sie schreibe, etwa wie ich Mengen angebe, was ich unter einzelnen Zutaten verstehe und welche Grundlagen ich voraussetze, ohne sie in jedem Rezept zu wiederholen. All das, samt Bäckerlatein, findest du unter „Rezepte verstehen”. Wenn du den größeren Zusammenhang suchst, führen dich die Wissensrubriken tiefer ins Thema: Backwissen für alles rund um das Handwerk selbst, Teigkunde für das Wissen rund um Teige und Massen sowie die Veredelung von Rezepten und in der Warenkunde finden sich alle Informationen zu den Zutaten selbst. Wenn doch eine Frage offenbleibt, sende mir gerne eine Botschaft – ich freue mich darauf.

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Rezepthinweise

Hinweise

1*[menge]
Anzahl der Backwaren
g
[wasser]+[anstellgut]+[mehl]+[schrot]+[wasser_2]+[wasser_3]+[malz]+[mehl_3]+[salz]+[butter]
Teiggewicht
g

Für dieses Rezept benötigt man ein rundes Gärkörbchen ø 25 cm und einen feuerfester Topf mit gleichem Durchmesser.

Weizensauerteig

120*[menge]
Wasser
g
15*[menge]
Weizenanstellgut
g
120*[menge]
Weizenvollkornmehl
g

Am Vortag setzt du zunächst den Sauerteig an. Vermische dazu das Vollkornmehl mit Wasser und einem aktiven Anstellgut. Der Sauerteig sollte anschließend 12 Stunden bei Raumtemperatur reifen. In dieser Zeit entwickelt er nicht nur Triebkraft, sondern auch ein fein säuerliches Aroma, das dem späteren Brot Tiefe verleiht.

Brühstück

70*[menge]
Weizenkeime
g
140*[menge]
Wasser, heiß
g

Parallel zum Sauerteig bereitest du das Brühstück zu. Übergieße die Weizenkeime mit kochendem Wasser, rühre sie gründlich durch und lasse sie abgedeckt bis zum nächsten Tag quellen. Durch das heiße Wasser wird die Enzymaktivität der Keime gesteuert, die Wasserbindung verbessert und der Geschmack intensiviert. So entsteht ein klassischer Nullteig, der dem Brot Saftigkeit und Struktur verleiht.

Hauptteig

170*[menge]
Wasser
g
[mehl]+[anstellgut]+[wasser]
Sauerteig
g
[schrot]+[wasser_2]
Brühstück
g
8*[menge]
Flüssigmalz
g
380*[menge]
Weizenmehl, Type 1050
g
10*[menge]
Salz
g
16*[menge]
Butter
g

Am Backtag gibst du alle Zutaten für den Hauptteig – bis auf die Butter – in die Knetschüssel. Der Teig wird zunächst fünf Minuten langsam und dann weitere fünf Minuten zügiger geknetet. Die Butter wird erst zum Schluss eingearbeitet, bis der Teig geschmeidig ist.

Stockgare bis Stückgare

Gib den fertigen Teig in eine leicht geölte Schüssel. Dort ruht er für etwa vier Stunden bei Raumtemperatur. Während dieser sogenannten Stockgare faltest du ihn zweimal, jeweils nach 45 und 90 Minuten. Das gibt ihm Struktur und Stabilität. Anschließend formst du den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche – rund oder lang, ganz wie du magst. Dann legst du ihn mit dem Schluss nach oben in ein gut bemehltes Gärkörbchen. Lass ihn dann erneut zwei Stunden bei Raumtemperatur gehen.

Rund ums Backen

Heize deinen Ofen zum Backen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor. Sobald dieser richtig heiß ist, stürze das Brot aus dem Körbchen in einen feuerfesten Topf und backe es mit geschlossenem Deckel zunächst zehn Minuten lang. Danach reduzierst du die Temperatur auf 200 °C und backst es weitere 35 Minuten fertig. Für eine besonders knusprige Kruste nimmst du in den letzten zehn Minuten den Deckel ab. Nach dem Backen sollte das Brot unbedingt eine Ruhephase bekommen, bevor du es anschneidest. Danach steht dem Genuss nichts mehr im Weg.

Wissenswertes

Wer sich näher mit handwerklichem Brotbacken beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff „Nullteig“ – eine Teigvorstufe, die in vielen Rezepten verwendet wird. Auch bei diesem Brot arbeite ich mit einem Nullteig, dem sogenannten Brühstück. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Getreidebestandteilen und Wasser, die noch keine Triebmittel enthält. Das Brühstück wird heiß angesetzt und dient primär dazu, Enzyme zu deaktivieren, Wasser besser zu binden, Aromen zu entwickeln und die Frischhaltung des späteren Brotes zu verbessern.

Nullteige

Was sind Nullteige?

Nullteige sind für die Bindung von Flüssigkeit in Teigen unerlässlich. Wenn du dich schon immer gefragt hast, warum man Getreide und seine Erzeugnisse vor dem Backen quellen lassen sollte, dann bist du hier genau richtig! Wenn man das nicht tun würde,...
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