Waldviertler Mohnzelten sind eine traditionsreiche Mehlspeise aus dem niederösterreichischen Waldviertel, das für seinen hochwertigen Graumohn bekannt ist. Ursprünglich als bäuerliches Vorratsgebäck gedacht, überzeugen sie heute durch ihre einzigartige Kombination aus zartem Kartoffelteig und einer saftigen Füllung aus Powidl und Graumohn.
Powidl ist ein dickflüssiges, dunkles Zwetschkenmus, das traditionell in Österreich und Tschechien hergestellt wird. Er ist bekannt für seinen intensiven, fruchtigen Geschmack und wird häufig in Mehlspeisen wie Powidltascherl, Buchteln oder Germknödel verwendet. Powidl wird ohne Zuckerzusatz hergestellt, was ihm seinen reinen, fruchtigen Geschmack verleiht. Powidl kann man ganz einfach zu Hause herstellen. Hier findest du eine einfache Anleitung.
Im Gegensatz zu den aufwendigen Mehlspeisen der Wiener Hofzuckerbäckerei sind Mohnzelten einfache, aber raffinierte Mehlspeisen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dank ihrer Zutaten sind sie nicht nur geschmacklich ausgewogen, sondern auch gut haltbar. Besonders beliebt sind die Mohnzelten in den Sommermonaten zur Mohnblüte, wenn die Felder des Waldviertels in zarten Weiß- und Rosatönen erstrahlen.
Backanleitung
Meine Backanleitungen sind bewusst einfach und verständlich gehalten, so dass du auch ohne viel Vorerfahrung tolle Ergebnisse erzielen kannst. Wenn du dein Wissen rund ums Brotbacken vertiefen möchtest, findest du in der Rubrik Backwissen viele nützliche Informationen und Tipps. Und wenn du beim Backen auf Probleme stößt oder Fragen hast, zögere nicht, mir zu schreiben. Ich helfe dir gerne weiter!
Rezepthinweise
Hinweise
Für dieses Rezept benötigt man eine Stipprolle und einen Teigpinsel. Wer es authentisch mag, verwendet Waldviertler Graumohn und Powidl.
Mohn-Powidl-Füllung
In einem kleinen Topf die Milch erwärmen, Vanille, Mohn, Zucker und Honig hinzufügen. Alles gut verrühren und kurz aufkochen lassen, bis eine dickflüssige Mohnmasse entsteht. Dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Sobald die Mohnmasse abgekühlt ist, den Powidl unterrühren, bis eine gleichmäßige Füllung entsteht.
Kartoffelteig
Die Kartoffeln in Stücke schneiden und in Salzwasser weich kochen. Abseihen, abtropfen lassen, schälen und durch eine Kartoffelpresse drücken oder stampfen. Die Kartoffeln vollständig abkühlen lassen. Die abgekühlten Kartoffeln mit den restlichen Zutaten zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Der Teig sollte glatt und nicht klebrig sein. Ist der Teig zu feucht, etwas Mehl zugeben. Ist der Teig zu fest, etwas Milch zugeben.
Stockgare bis Stückgare
Den Teig zugedeckt 30 Minuten gehen lassen. Den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einer Rolle formen und je nach Anzahl der zu backenden Teiglinge in Stücke schneiden. Anschließend zu Fladen mit einem Durchmesser von ca. 10 cm ausrollen. Je 45 g Füllung darauf geben, die Teigränder einschlagen und gut verschließen, so dass gefüllte Teigstücke entstehen, die anschließend flachgedrückt werden.
Rund ums Backen
Die geformten Mohnzelten auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Mit dem Eiweiß bestreichen und mit einer Stipprolle oder Gabel stippen. Bei 180 °C (Ober-/Unterhitze) ca. 20 Minuten goldbraun backen. Wer möchte, kann die heißen Mohnzelten direkt nach dem Backen mit zerlassener Butter bestreichen oder zusätzlich mit Puderzucker bestäuben.
Wissenswertes
Ein weiteres bekanntes Gebäck aus Kartoffelteig ist das Handbrot, das auf keinem Weihnachtsmarkt fehlen darf und inzwischen auch in moderne Bäckereien Einzug gehalten hat. Es ist ein herzhaft gefülltes Brot, das traditionell im Holzofen gebacken wird und durch seine knusprige Kruste und die saftige, aromatische Füllung besticht. Gerade die Füllung spielt bei diesem Gebäck eine zentrale Rolle und verleiht ihm das gewisse Etwas – ähnlich wie bei den Waldviertler Mohnzelten, die ebenfalls von ihrer charakteristischen Füllung leben. Beide Gebäcke zeigen, dass eine gut abgestimmte Füllung den Charakter des Gebäcks entscheidend prägt und aus einem einfachen Teig etwas Besonderes macht.