Kameruner gehören zu den Gebäckstücken, die viele noch aus altdeutschen Bäckereien kennen, deren Herkunft aber kaum jemand genau benennen kann. Ihr goldbraun gebackener Teig, der beim Frittieren leicht aufbricht, verrät handwerkliche Raffinesse: Eine besondere Mischung aus Hefeteig und Mürbeteig sorgt für eine feine Krume mit zartem Biss und buttrigem Aroma.
Der Name „Kameruner“ gibt unweigerlich Rätsel auf. Historische Quellen belegen, dass das Gebäck bereits Ende des 19. Jahrhunderts in deutschen Bäckerfachzeitschriften erschien. Eine der frühesten schriftlichen Erwähnungen stammt aus der „Bavaria – Bayerische Bäcker- und Conditor-Zeitung“ vom 15. Juni 1897. Diese Zeitung war ein General-Anzeiger für das Bäcker-, Müller- und Konditorengewerbe sowie verwandte Berufszweige und enthielt Fachwissen über Backtechniken, Rezepturen und Markttrends der damaligen Zeit. Das Gebäck wurde damals auch als „Amerikanische Crullers“ bezeichnet, was auf Parallelen zu Schmalzgebäcken der USA und der Niederlanden schließen lässt. Ein direkter Bezug zur ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun lässt sich dagegen nicht eindeutig nachweisen. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Name – wie bei anderen Gebäcken dieser Zeit üblich – aus einer Mischung von Mode, Exotik und Marketingstrategie entstanden ist.
Auffallend ist zunächst die charakteristische Form des Kameruners: Ein rechteckiges Teigstück wird mit einem Schlitz versehen und dann so gedreht, dass eine Art verdrehte Schleife oder Knoten entsteht. Diese Form ist typisch für einige ältere Schmalzgebäcke und erinnert an die in den USA und den Niederlanden beliebten Crullers. Eine andere mögliche Erklärung für den Namen ist eine botanische Besonderheit: Früher hieß die Erdnuss in Deutschland „Kamerun-Nuss“, da Kamerun ein wichtiges Anbaugebiet war. Ob die Erdnuss aufgrund ihrer Struktur oder Farbe mit dieser Bezeichnung in Verbindung gebracht wurde, ist unklar – aber die Assoziation mit Exotik und Übersee scheint bei der Namensgebung durchaus eine Rolle gespielt zu haben.
Heute ist der Kameruner selten geworden, aber seine Rezeptur verdient es, bewahrt zu werden. Die Kombination aus der lockeren Krume eines Hefeteiges und der mürben Konsistenz eines Mürbeteigs macht ihn zu etwas ganz Besonderem und unterscheidet ihn vom traditionellen Rezepturen für Schmalzgebäck. In heißem Fett gebacken, bekommt er eine knusprige Kruste, während das Innere weich bleibt – ein Spiel der Aromen, das Bäckerhandwerk auf höchstem Niveau zeigt. Das Rezept basiert auf historischen Überlieferungen und präsentiert den Kameruner in seiner ursprünglichen Form. Wer ein traditionelles Gebäck mit Geschichte sucht, wird hier fündig.
Meine Backanleitungen sind bewusst einfach und verständlich gehalten, so dass du auch ohne viel Vorerfahrung tolle Ergebnisse erzielen kannst. Wenn du dein Wissen rund ums Brotbacken vertiefen möchtest, findest du in der Rubrik Backwissen viele nützliche Informationen und Tipps. Und wenn du beim Backen auf Probleme stößt oder Fragen hast, zögere nicht, mir zu schreiben. Ich helfe dir gerne weiter!
Rezepthinweise
Hinweise
Für dieses Rezept benötigt eine Fritteuse oder einen Topf mit Deckel und ausreichend Siedefett. Zudem ist eine Teigkarte und Einweg-Backpapier hilfreich.
Hefeteig
Zuerst wird der Hefeteig zubereitet. Dazu wird die Hefe in Milch aufgelöst. Dann kommen Mehl, Butter, Zucker, Salz und nach Belieben Zitronenschale hinzu. Alles zu einem glatten Teig verkneten und zugedeckt etwa eine Stunde gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.
Mürbeteig
Für den Mürbeteig werden Butter und Zucker vermengt und nach und nach die Eier hinzugegeben. Anschließend wird die Milch eingerührt und das mit Backpulver vermischte Mehl untergeknetet. Der Teig wird zu einer glatten Kugel geformt und kühl gestellt.
Vorbereitungen
Um die beiden Teige miteinander zu kombinieren, wird der Hefeteig zum Mürbeteig gegeben und vorsichtig zu einer homogenen Masse geknetet. Dabei ist es wichtig, nicht zu lange zu kneten, damit der Mürbeteig seine mürbe Struktur nicht vollständig verliert.
Anschließend wird der Teig auf eine Dicke von etwa 1 cm ausgerollt und in Rechtecke von etwa 10 x 6 cm geschnitten. Um die für die Kameruner typische Form zu erhalten, wird in der Mitte jedes Stücks ein Schlitz gestochen, durch den eine Teigseite gezogen und das Stück verdreht wird. Die geformten Teigstücke werden auf ein Stück Backpapier gelegt und nochmals 30 Minuten aufgehen gelassen.
Ausbacken (sieden)
Zum Frittieren wird das Fett auf 180 °C erhitzt. Die Teigstücke werden portionsweise mit dem Stück Backpapier hineingelegt und ca. 2 Minuten pro Seite goldbraun gebacken. Das Backpapier löst sich nach wenigen Sekunden vom Gebäck und kann dann abgezogen werden. Nach dem Frittieren lässt man das Gebäck auf einem Stück Küchenpapier abtropfen. Zum Schluss können die noch warmen Kameruner nach Belieben in Zucker oder Zimtzucker gewälzt oder mit Puderzucker bestäubt werden.
Wissenswertes
Schmalzgebäck ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Gebäckspezialitäten, die in heißem Fett gebacken werden. Diese Art des Backens hat eine lange Tradition und war besonders in früheren Zeiten weit verbreitet, da das Backen in Fett eine einfache Möglichkeit bot, Teige schnell und gleichmäßig zu backen. Schmalzgebäck erfreut sich besonders in der Faschingszeit, auf Jahrmärkten oder in der kalten Jahreszeit großer Beliebtheit. Die knusprige Oberfläche, oft mit Puderzucker, Zimt oder Zucker bestreut, macht es nicht nur optisch ansprechend, sondern sorgt auch für ein besonders aromatisches Genusserlebnis. Je nach Rezept und Region wird Schmalzgebäck auch mit Füllungen wie Marmelade, Pudding oder Nüssen verfeinert und kann sowohl süß als auch herzhaft zubereitet werden.