Auf den ersten Blick sehen ein klassischer deutscher Käsekuchen und ein amerikanischer Cheesecake ähnlich aus, sie sind aber völlig unterschiedlich. Der deutsche Käsekuchen wird mit einer Käsemasse aus Quark zubereitet, wodurch er sehr frisch und luftig schmeckt. Außerdem wird er mit einem Boden aus Mürbeteig serviert. Beim amerikanischen Cheesecake hingegen wird Frischkäse verwendet. Er ist cremig, reichhaltig und wird auf einem Boden aus Keksbröseln zubereitet. Dieser Kuchen hat ein ganz anderes Mundgefühl als ein deutscher Käsekuchen.
Mein Rezept vereint die Vorzüge beider Käsekuchen. Meine Käsemasse besteht sowohl aus Quark als auch aus Frischkäse. Dadurch wird die Masse dichter und cremiger als bei einem klassischen deutschen Käsekuchen, behält aber ihre fein säuerliche Note. Beim Boden habe ich mich für einen klassischen Mürbeteig entschieden, aber dafür auf den typischen Rand verzichtet, wie bei einem stilechten amerikanischen Cheesecake.
Ein saisonaler Rhabarber-Swirl ergänzt die Käsemasse mit seiner intensiver Fruchtsäure, die gut zu beiden Käsekuchenwelten passt. Der Swirl ist das optische Highlight des Kuchens und lässt sich je nach Saison variieren. Im Frühjahr gibt es einen Rhabarber-Swirl, später im Jahr einen Erdbeer-Swirl und im Herbst einen Zwetschgen-Swirl.
Damit dir meine Rezepte gelingen, lohnt es sich, zu wissen, wie ich sie schreibe, etwa wie ich Mengen angebe, was ich unter einzelnen Zutaten verstehe und welche Grundlagen ich voraussetze, ohne sie in jedem Rezept zu wiederholen. All das, samt Bäckerlatein, findest du unter „Rezepte verstehen”. Wenn du den größeren Zusammenhang suchst, führen dich die Wissensrubriken tiefer ins Thema: Backwissen für alles rund um das Handwerk selbst, Teigkunde für das Wissen rund um Teige und Massen sowie die Veredelung von Rezepten und in der Warenkunde finden sich alle Informationen zu den Zutaten selbst. Wenn doch eine Frage offenbleibt, sende mir gerne eine Botschaft – ich freue mich darauf.
Rezepthinweise
Hinweise
Für diesen Cheesecake wird eine Springform mit 20 cm Durchmesser benötigt. Wenn du eine andere Größe verwenden möchtest, kannst du die Zutatenmenge hier umrechnen.
Da der Kuchen ohne Mürbeteigrand gebacken wird, genügt es, den Boden der Springform mit Backpapier auszulegen. Der Rand sollte nur gefettet werden.
Für den Rhabarber-Swirl benötigst du nur einen kleinen Topf und einen Stabmixer. Später genügt ein kleines Messer, ein Holzstäbchen oder der Stiel eines Löffels, um den Swirl in die Oberfläche einzuziehen.
Mürbeteig
Mehl, Butter, Puderzucker, Eigelb und eine Prise Salz zu einem glatten Teig verkneten. Den Teig in Folie wickeln und für mindestens 30 Minuten, besser jedoch für mehrere Stunden, in den Kühlschrank stellen. Anschließend den gekühlten Teig ausrollen, den Boden der Springform damit auslegen und andrücken. Den Boden bei 180 °C Ober-/Unterhitze zehn Minuten blindbacken. Danach kurz abkühlen lassen.
Rhabarber-Swirl
Den Rhabarber in kleine Stücke schneiden. Mit Zucker in einen kleinen Topf geben und kurz ziehen lassen. Dann erhitzen, bis er weich wird und Saft zieht.
Speisestärke mit einem Schluck kaltem Wasser glatt verrühren, zum Rhabarber geben und kurz aufkochen, bis eine angedickte Fruchtmasse entsteht. Anschließend mit einem Stabmixer zu einer feinen Masse pürieren und anschließend abkühlen lassen.
Der Swirl sollte nicht flüssig sein, sondern eher die Konsistenz eines weichen Kompotts haben, da der Effekt sonst nicht optimal funktioniert.
Käsemasse
Alle Zutaten außer die Eier zu einer glatten Masse verrühren. Die Eier nacheinander unterrühren. Dabei darauf achten, so wenig Luft wie möglich einzuarbeiten.
Anschließend die Käsemasse auf den vorgebackenen Mürbeteigboden geben und glatt streichen. Verteile den Rhabarber-Swirl in kleinen Klecksen auf der Oberfläche. Mit einem Holzstäbchen oder einem schmalen Messer locker durch die obere Schicht ziehen, sodass eine Marmorierung entsteht. Dabei nicht zu tief und nicht zu stark verrühren, da sich sonst die gesamte Oberfläche rosa färbt und die Zeichnung des Swirls verloren geht.
Rund ums Backen
Den Käsekuchen auf der mittleren Schiene des vorgeheizten Backofens bei 160 °C 60 Minuten lang backen, bis die Masse gestockt ist. Danach den Käsekuchen zum Abkühlen nicht aus dem Ofen nehmen, damit er keinen „Kälteschock” bekommt und zusammenfällt. Einfach die Tür einen Spalt öffnen und den Kuchen für mindestens 30 Minuten schonend abkühlen lassen. Erst nach dem vollständigen Erkalten den Kuchen aus der Form lösen und am besten über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen, bevor man ihn anschneidet.
Wissenswertes
Rhabarber lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise in Gebäck verarbeiten. Wenn du nach diesem Cheesecake Lust auf eine zweite Variante bekommen hast, probiere auch meine Rhabarber-Tarte mit Streuseln. Dort wird der Rhabarber nicht nur als Akzent verwendet, sondern zusammen mit Mürbeteig, Crème pâtissière und Streuseln zu einer klassischen Frühjahrstarte verarbeitet. In diesem typisch französischen Tarte-Rezept spielt er die Hauptrolle.