Triticale ist ein glutenhaltiges Hybridgetreide, das aus der Kreuzung von Weizen (TRITIcum) und Roggen (SeCALE) entstanden ist. Aufgrund der unterschiedlichen Anzahl der Chromosomen von Weizen (42) und Roggen (14) ist die Züchtung komplex. Diese Kreuzung wurde erstmals Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Ziel durchgeführt, die besten Eigenschaften der beiden Getreidearten in sich zu vereinen.
Im Triticale sind die hohe Ertragsfähigkeit und Qualität des Weizens mit der Widerstandsfähigkeit und den geringen Bodenansprüchen des Roggens gepaart. Zudem ist der Anbau relativ einfach, da Triticale weniger krankheitsanfällig ist und auf verschiedenen Arten von Böden gut gedeiht. Aufgrund seiner Vielseitigkeit und hohen Erträge, vor allem auf nährstoffarmen Böden, stellt Triticale eine wertvolle Alternative zu den traditionellen Getreidearten dar, nicht zuletzt, weil er sich auch als Energiepflanze für die Bioethanolproduktion eignet.
Triticale wird in erster Linie als Futtermittel verwendet, eignet sich aber auch für die Nutzung in Lebensmitteln. Es wird zur Herstellung von Brot, Gebäck und Bier verwendet. Das Backen mit Triticale erfordert allerdings spezielle Mehlmischungen oder den Einsatz von Sauerteigen, da es klebrigere Teige ergibt. Trotz des hohen Proteingehalts und des nussigen Geschmacksprofils eignet sich Triticale besser für die Brotherstellung als für Feingebäck.
Wie wird Triticale gekreuzt?
Die Kreuzung von Weizen und Roggen ist eine komplexe Aufgabe, da beide Getreidearten unterschiedliche Chromosomenzahlen aufweisen. Dieser Prozess erfordert spezielle Techniken, um die Chromosomen stabil zu halten und die Fruchtbarkeit der Nachkommen zu gewährleisten. Dabei kommen sowohl klassische Züchtungsmethoden als auch moderne biotechnologische Verfahren zum Einsatz.
Weizen besitzt 42 Chromosomen (hexaploid), Roggen 14 (diploid). Bei der klassischen Züchtung wird Weizen als weiblicher und Roggen als männlicher Elternteil verwendet. Die Befruchtung erfolgt durch Bestäubung der Weizeneizellen mit Roggenpollen, wodurch Hybridkörner entstehen. Um die entstehenden sterilen Hybriden fruchtbar zu machen, wird eine Behandlung mit Colchicin durchgeführt, die die Chromosomenzahl verdoppelt und zu einer fruchtbaren, hexaploiden Triticalepflanze mit 56 Chromosomen führt. Die besten Hybriden werden ausgewählt und über mehrere Generationen stabilisiert. Die so gewonnenen Triticaleähren und -körner sind sowohl im Aussehen als auch in der genetischen Zusammensetzung von hoher Qualität.
Kultivierung von Triticale
In Europa ist Polen mit einem Drittel der Weltproduktion der größte Triticaleproduzent. Im Jahr 2022 wurden weltweit etwa 14 Millionen Tonnen Triticale geerntet, wobei neben Polen, Deutschland und Frankreich zu den größten Produzenten gehören. Weitere wichtige Anbaugebiete sind die USA, Mexiko, Kanada, Argentinien und Südafrika. Es gibt sowohl Winter- als auch Sommertriticale. Die Aussaat ist je nach Sorte und Witterung im Herbst und im Frühjahr, die Ernte ist wie beim Weizen.
Der Anbau von Triticale ist verhältnismäßig unkompliziert, da die Pflanze kaum anfällig für Krankheitserreger ist und auf den unterschiedlichsten Bodenverhältnissen wächst. Triticale gedeiht besonders gut auf lehmigen und sandigen Böden und verträgt saure Böden besser als Weizen. Sein tiefreichendes Wurzelsystem hat eine Stabilisierung des Bodens und einen Schutz vor Erosion zur Folge.
Einsatz von Triticale
Triticale wird hauptsächlich als Futtermittel verwendet, was mehr als 50 % seiner Nutzung ausmacht. Er ist auch Gegenstand der Forschung als Energiepflanze, da es für die Herstellung von Bioethanol geeignet ist.
In der Backwarenherstellung hingegen ist Triticale trotz seiner vorteilhaften Eigenschaften weniger verbreitet. Der im Vergleich zu Weizen und Roggen geringere Bekanntheitsgrad führt zu einer geringeren Nachfrage. Hinzu kommt, dass die im Vergleich zu Weizenmehl unterschiedlichen Backeigenschaften die Integration in die bestehende Produktionsabläufe erschweren.
Nichtsdestotrotz hat Triticale aufgrund seiner Vielseitigkeit und seiner positiven agronomischen Eigenschaften das Potenzial, in der Landwirtschaft der Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen. Insbesondere auf nährstoffarmen Böden liegen die Erträge oft bis zu 25 % über denen von Weizen. Damit bietet es besonders in Regionen mit ungünstigen Anbaubedingungen eine wertvolle Alternative zu traditionellen Getreidesorten.
Backen mit Triticale
Triticale bietet eine interessante und nährstoffreiche Alternative zu herkömmlichen Mehlen. Triticale hat einen leicht nussigen, intensiv roggenartigen Geschmack und eignet sich daher besser für Brot als für Feinbackwaren.
Der Proteingehalt von Triticale ist mit durchschnittlich 14 % höher als bei Weizen und Roggen, was sich positiv auf die Teigelastizität und das Volumen auswirkt. Allerdings kann der Teig klebriger und weniger elastisch sein, was das Formen und Gären erschwert. Triticalemehl sollte daher in Kombination mit Weizenmehl verwendet werden. Ein typisches Mischungsverhältnis ist 75 % Weizenmehl und 25 % Triticalemehl.
Da Triticale eine hohe Alpha-Amylase-Aktivität aufweist, die das Wasserbindungsvermögen beeinflusst, können klebrige Teige entstehen. Auch aus diesem Grund empfiehlt es sich, mit Sauerteigen zu arbeiten, um durch die Teigsäuerung dennoch gute Backeigenschaften zu erhalten. So lassen sich auch sortenreine Backwaren aus Triticale herstellen.